Insektenschutz aus der Apotheke

 

Mit steigenden Temperaturen rückt auch ihre Saison wieder näher: die surrenden Quälgeister, die uns die länger werdenden Tage, vor allem aber die Abende und Nächte oftmals vermiesen. Aber auch die Reiselust der Apothekenkunden – speziell in Tropengebiete – nimmt zu und so ist die Tara in der Apotheke erste Anlaufstelle für eine umfangreiche Beratung über Schutzmöglichkeiten vor Insektenstichen.

Während der Stich heimischer Insekten in der Regel nur allergische Reaktionen wie Juckreiz, Schwellung und Hautrötung verursacht, sind tropische Stechmücken und Fliegen oft Krankheitsüberträger.

Zu den heimischen Quälgeistern zählen: Die gemeine Stechmücke, die gemeine Rinderbremse , die Gnitze und die Zecke

Zu den gefährlichsten tropischen Arten gehören: die Malariamücke: Ihr Stich ist meist nicht schmerzhaft, später zeigt sich oft Juckreiz die Tse-Tse-Fliege: überträgt die afrikanische Trypanosomiasis (Schlafkrankheit) die Aedes Mücke (z.B. Aedes aegypti), kann Dengue, Gelbfieber, Filariosen und Chikungunya übertragen.

Während also der Insektenstich hierzulande äußerst unangenehm – wenn nicht sogar zu anaphylaktischen Reaktionen führend – ist, kann er in südlichen Gefilden lebensbedrohlich sein. Deshalb ist es wohl oberstes Ziel des Insektenschutzes, bereits den Anflug mit Hilfe von Repellents zu verhindern.

 

Repellents

Repellents sind Substanzen, die Bremsen, Fliegen, Stechmücken aber auch Zecken durch Störung des olfaktorischen Systems fernhalten. Durch Verdunstung entsteht auf der Haut oder den Kleidern ein dünner Duftmantel, der die Insekten abstößt oder verhindert, dass diese den Geruch des Wirtes wahrnehmen. Sie sind in Form von Cremes, Lotionen und Sprays in 15- bis 30%iger Konzentration erhältlich. Man unterscheidet pflanzliche und synthetische Repellentien:

 

Pflanzliche Repellents

Pflanzliche Repellents sind vor allem ätherische Öle wie Eukalyptus-, Lavendel-, Nelken-, Teebaum-, Bergamott-, Zedern- und Zitronellöl. Besonders wirksam sind Mischungen aus Eukalyptus- und Zitronellöl mit dem Wirkstoff Citriodiol (p-Menthan 3,8-diol). Allgemein zeigen die ätherischen Öle eine deutlich geringere und kürzere Wirksamkeit als synthetische Repellentien. Weitere Nachteile sind Hautreizungen bis hin zu allergischen Reaktionen, die durch Sonnenexposition noch verstärkt werden können. Vorteile sind wiederum die unbedenkliche Anwendung während Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern, wobei bei Babys bis 12 Monate der Schutz ausschließlich mit Textilien erfolgen sollte.

Zur innerlichen Anwendung wurden früher Thiamin-(Vitamin B1) Kapseln in Dosierungen von 75 bis 300mg/Tag verabreicht, das sodann über die Schweißdrüsen abgegeben insektenabwehrend wirken sollte. Wie auch bei Knoblauch- und Petersilienölkapseln ist eine insektenabweisende Wirkung bislang nicht belegt.

Synthetische Repellents

Zu den synthetischen Repellentien zählen:

DEET (Diethyltoluamid) hältige Präprate: sie wirken gut abweisend auf Stechmücken, Bremsen, Fliegen, Milben und Zecken. Eine Schutzwirkung vor Bienen, Hummeln und Wespen ist nicht gegeben. Es blockiert den Duftrezeptor OR83B, wodurch die Insekten Düfte wie Schweiß und Blut schlechter wahrnehmen können. Es wird bei Erwachsenen in Konzentrationen von 10 bis 30% angewendet. Bei Kindern wird eine Maximalkonzentration von 10% empfohlen, während es bei Kleinkindern nicht verwendet werden soll. DEET kann Hautreizungen und selten epileptische Anfälle auslösen (1 Fall pro 100 Millionen DEET-Benutzer), kann die Wahrnehmungsfähigkeit beeinträchtigen und Gemütsschwankungen erhöhen. Da es jedoch gut vor Malaria schützt, hat der Schutz in gefährdeten Gebieten auch bei Kleinkindern Vorrang. DEET ist plazentagängig und wird in die Muttermilch ausgeschieden, weshalb eine Anwendung in der Schwangerschaft und Stillzeit nicht zu empfehlen ist.

Icaridin hältige Repellentien: Icaridin ist ein Racemat aus 4 Stereoisomeren, wobei das Gemisch mit breitem Wirkungsspektrum gegen Insekten eingesetzt wird. Der Schutz vor Malaria ist gut. Nachteile sind allergische Hautreaktionen, Urticaria und Nasenbluten.

DMP (Dimethylphthalat) wird in Kombination mit DEET eingesetzt. Alleine ist es zu wenig wirksam.

 

Bei der Anwendung sollten Sie auf Folgendes achten:

• Zubereitungen gleichmäßig und lückenlos auf die unbedeckte Haut auftragen.

• Hautpartien in der Nähe der Augen, Lippen und Nasenöffnungen aussparen und nicht auf Schleimhäute und Hautläsionen auftragen.

• Bei Augen- und Schleimhautkontakt gründlich mit Wasser spülen.

• Die Wirkdauer der Repellents beträgt zwischen zwei und acht Stunden, was nur eine Richtgröße darstellt. Nach Wasserkontakt sollte es neu aufgetragen werden.

• Repellents erst 15 bis 30 Minuten nach dem Auftragen von Sonnencreme anwenden, da sonst die Wirksamkeit des Sonnenschutzmittels um bis zu 30% herabgesetzt werden kann. Eine fixe Kombination von Sonnen- und Insektenschutzmitteln ist daher nicht empfehlenswert.

• Wenn der Schutz durch die Repellentien nicht mehr gebraucht wird, sollten die entsprechenden Hautstellen mit Seife und Wasser abgewaschen werden.

• Bei Kindern nicht auf die Hände auftragen, da sie diese oft in den Mund stecken.

• DEET greift Kunststoffe an, z.B. Kleidung und Uhren.

• Repellentien bieten keinen 100%igen Schutz: Auf weitere präventive Maßnahmen wie die FSME-Impfung aber auch deckende Kleidung und Moskitonetze sowie Chemoprophylaxe (Malarone, Resochin) sollte nicht verzichtet werden.

• Kinder unter 12 Monate sollten ausschließlich durch mechanische Maßnahmen geschützt werden, da die Gefahr von ZNS-Reaktionen und Krämpfen besteht.

• Bei Kleinkindern ab einem Jahr kann EBAAP sparsam, ab dem dritten Lebensjahr können auch DEET- und DMP-hältige Mittel angewendet werden.

• Für tropische Gebiete sollten stärker wirksame Substanzen wie DEET oder Icaridin ab 20%iger Konzentration empfohlen werden.

 

Wir beraten Sie gerne in unserer Apotheke Gmünd Neustadt!