Johanniskraut (Hypericum perforatum)

Johannisblut, Sonnwendkraut, Tüpfelhartheu, Blutkraut, Herrgottsblut, Mannsteufel, Hexenkraut

 

 

 Frau in der Wiese

 

Der Sommer hat endlich begonnen. Die Sonne scheint, es ist warm, du liegst in einer Wiese voller blühender Blumen. Die Bienen fliegen vergnügt von Blume zu Blume. Du hörst das Summen der Bienen und genießt die warmen Sonnenstrahlen auf deinem Körper. Ein leichter und angenehmer Wind bläst um deine Nase und du atmest mehrmals tief ein und aus und hältst inne. Vor deinen Augen tauchen wieder die wunderschönen strahlend gelben Blüten auf - Johanniskrautblüten.

 

 Johanniskraut

 

Das Johanniskraut (Hypericum perforatum) blüht um Johanni (24. Juni) und sondert beim Zerreiben einen blutroten Saft ab. Außerdem hat es Blätter, die perforiert erscheinen. Hält man die zarten Blätter gegen das Licht, so sieht man die namensgebenden Öldrüsen, die „Löcher“, durchscheinen.

Der Legende nach hat der Teufel die Blätter aus Wut perforiert, weil sich eine arme Sünderin, die vor ihm Schutz suchte, aufs Johanniskraut gesetzt hatte.

 

 

 

So unterschiedliche Legenden es zum Johanniskraut gibt, so vielfältig wird das Johanniskraut auch verwendet:

 

Die Blüten sehen aus wie kleine Sonnen und zeigen dadurch schon ihre ganz besondere Fähigkeit, Licht in die Seele zu bringen. In zahlreichen klinischen Studien konnte die Wirksamkeit von Extrakten aus Johanniskraut bei leichten bis mittelschweren Depressionen bewiesen werden.

 

Die Wirksamkeit ist vergleichbar mit klassischen Antidepressiva bei wesentlich besserer Verträglichkeit und Therapiesicherheit. Ebenso werden diese Extrakte auch bei depressiven Verstimmungszuständen und psychovegetativen Störungen mit Erfolg eingesetzt. Johanniskraut erhöht die Menge an Neurotransmittern wie z.B. Serotonin oder Noradrenalin, woraus eine stimmungsaufhellende Wirkung resultiert. Außerdem steigert Johanniskraut die Ausschüttung von Melatonin, dem Schlafhormon.

 

 

Johanniskrautöl 2 neu

 

 

Ölige Zubereitungen aus Johanniskraut, auch „Rotöl“ genannt, werden äußerlich angewandt und haben sich bewährt zur Behandlung und Nachbehandlung von scharfen und stumpfen Verletzungen sowie bei Muskelschmerzen. Dazu lässt man frische Blüten einige Wochen an der Sonne in Olivenöl ziehen.

 

Wissenschaftlich belegt ist auch die Verwendung bei Verbrennungen ersten Grades.

Bei der Aufnahme von frischem oder getrocknetem Johanniskraut durch Weidetiere wurden Lichtempfindlichkeiten beobachtet. Während einer Therapie mit Johanniskraut sollten besonders hellhäutige Menschen Höhensonne, Solarium oder exzessive Sonnenbestrahlung meiden.

 

Bei der gleichzeitigen Einnahme von Johanniskraut mit anderen Medikamenten ist unbedingt Rücksprache mit dem Arzt oder Apotheker zu halten. Hypericum kann die Wirkung anderer Medikamente (z.B. orale Kontrazeptiva, Herzmedikamente, Theophyllin … ) durch schnelleren Abbau abschwächen.

 

Wird Johanniskraut als Tee getrunken, so sollten 2 – 4 g Droge als mittlere Tagesdosis über einen Zeitraum von 3 – 6 Wochen konsumiert werden. Die Effekte treten verzögert nach ca. 2 – 4 Wochen ein.

 

 

 

 

Empfohlen wird insbesondere die Einnahme von standardisiertem Extrakt: 300 – 600mg pro Tag bei leichteren depressiven Verstimmung. 900 mg Extrakt erwiesen sich in klinischen Studien über einen Zeitraum von 4 – 6 Wochen als wirksam.

 

Johanniskraut und entsprechende Zubereitungen sind unter anderem in Form von Tees, Filmtabletten, Dragees, Kapseln und Tinkturen sowie als Öl im Handel.

 

Johanniskraut Boehm 425  Johanniskraut Boehm 600

 

Das Echte Johanniskraut (Hypericum perforatum) hat sowohl traditionell als auch aktuell eine große Bedeutung in der Phytotherapie. Sowohl die Inhaltsstoff, als auch die Anwendungen dieser interessanten Pflanze sind vielfältig. Das Johanniskraut ist eine hochinteressante, aber auch eine etwas „schwierige“ Pflanze mit einer großen Attraktivität.

 

 

 

 

 

 

 

Quellen:

R. Länger, W. Kubelka: Phytokodex - Pflanzliche Arzneispezialitäten in Österreich; Krause & Pachernegg GmbH, Verlag für Medizin und Wirtschaft, Pressestelle und Verlag der Österreichischen Ärztekammer, 2001

Hans E. Laux, Alfred Tode: Heilpflanzen - wie sie wachsen, blühen, wirken; Umschau Verlag Breidenstein GmbH, Frankfurt am Main, 1990

http://www.klostermedizin.de/index.php/heilpflanzen/arzneipflanze-des-jahres/59-arzneipflanze-des-jahres-2015-echtes-johanniskraut-hypericum-perforatum

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